Herr Müller und die Kanzlerinnengesundheit.

Detleff Müller Mdb sorgt sich um den Umgang der Öffentlichkeit mit dem Kanzlerinnengesundheitszustand im Allgemeinen, und der Medien im Besonderen, seit Anfälle öffentliche Auftritte der Kanzlerin zur Zitterpartie machen.

Fakt ist, Angela Merkel hat drei Mal in der Öffentlichkeit gezittert. Aber Fakt ist auch, sie hat danach versichert, dass es ihr gut geht und dass sie den Anforderungen ihres Amtes weiterhin gewachsen ist. Sie hat es nicht nur versichert, sondern sogar bewiesen, indem sie ihr normales Arbeitspensum beibehalten und keinen Termin abgesagt hat. Wer also fordert, dass die Kanzlerin detaillierter über ihren Gesundheitszustand Auskunft gibt, kann dies nicht mehr mit objektiv nachvollziehbarer Besorgnis begründen. Sondern muss sich den Vorwurf gefallen lassen, aus destruktiver Sensationslust und ohne jede Grundlage Zweifel an Merkels Erklärung zu verbreiten.

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Nach Müllerlogik muss sich also keiner Gedanken machen, wenn demnächst im Flugzeug oder Reisebus eine schwankende, scheinbar kranke Person durchs Gefährt torkelt und sich bei näherer Betrachtung als Fahrzeuglenker entpuppt. So lange er versichert, dass er in der Lage ist, seinen Job ordnungsgemäß auszuführen und das belegt indem er startet ohne sofort etwas umzunieten, ist alles bestens. Kein Grund zum Zittern.

Tauglichkeitsuntersuchungen sind in Zukunft entbehrlich. Eine Erklärung des Betreffenden reicht. Wer die für Piloten, Busfahrer, Polizei, Feuerwehrleute fordert, muss sich nach Müllerscher Logik den Vorwurf gefallen lassen, aus destruktiver Sensationslust und ohne jede Grundlage Zweifel an der Erklärung des Betreffenden zu verbreiten.

Hinsichtlich des Gefährdungspotenzials von Otto Normal Rentner hat Herr Müller allerdings andere Vorstellungen. So lässt er via BZ wisssen.

Verkehrspolitiker Detlef Müller (53, SPD) ist schon weiter. Er fordert verpflichtende Fahrtests für Autofahrer ab 70 oder 75 Jahren, kostenlos und alle zwei Jahre. „Die körperlichen Fähigkeiten und die Reaktion lassen einfach nach“, sagte er der B.Z. Der Bundestagsabgeordnete war selbst Lokomotivführer und nimmt entsprechende Tests für bestimmte Berufe zum Vorbild. Wer bei den Checks durchfällt, sollte den Führerschein abgeben.

Verkehrsexperte Müller fordert also, dass Rentner auch wenn sie absolut unauffällig fahren im Alter „Tests“ absolvieren, welche bei nicht bestehen den Entzug des Führerscheins nach sich ziehen. Gleichzeitig sollen nach mehreren auffälligen Zitteranfällen und widersprüchlichen Aussagen der Kanzlerin zur Ursache keinerlei Fragen mehr gestellt werden, nachdem sie verkündete es sei alles bestens.

Um diese Logik zu verstehen, muss man wahrscheinlich SPD Mitglied oder SPD Wähler sein. Anderseits sagt man den Sozis gelegentlich viel Pech beim Denken nach. Möglicherweise ist hier ein Ansatz um die Müllerschen Äußerungen einzuordnen.

Aber Detleff Müller macht nicht nur als Verkehrsexperte eine gute Figur. Auch seine Medienkompetenz ist beachtlich.

Im Kanzleramt oder Schloss Bellevue hatten Kameraleute, Fotografen, Redakteure genau zwei Möglichkeiten, als sie die Zitteranfälle bemerkten: Sich auf die anderen Akteure wie Bundespräsident, Staatsgast, Orchester, Ehrenformation zu fokussieren oder eben gnadenlos und kalt auf die Kanzlerin zu halten. Sie haben sich falsch entschieden.

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Nachdem Herr Müller sich bereits vor Kurzem als Gemeimdienst Experte outete, wird hier journalistische Expertise sichtbar. Dabei greift er wahrscheinlich auf wertvolle Erkenntnisse aus der Zeit seiner SED Mitgliedschaft zurück. Bekanntermaßen wurde das DDR Politbüro entgegen hartnäckigen Gerüchten in der Bevölkerung ebenfalls immer als jugendlich und gesund dargestellt. Es spricht für die demokratische Grundhaltung Detleff Müllers, dass er nicht das kürzen um eine Kopflänge für diejenigen fordert, die einen Staatslenker medial schlecht aussehen lassen. So wie es aktuell in Ländern wie Saudi Arabien und Nordkorea erfolgreich praktiziert wird.

Natürlich müsste das detaillierte ausschlachten und die Mutmaßungen zu den merkelschen Zitteranfällen nicht sein. Aber die Forderung, diese Anfälle zu verbergen zeugen von gravierendem Unverständnis der Rolle der Medien in einer Demokratie. Den Unterschied zwischen Propaganda und Journalismus hat Herrn Müller offensichtlich bis heute nicht verstanden.

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