Panik auf der Titanic – von Leichtmatrosen und Kapitänen

Die Warnung vor dem direkten Kurs auf den Eisberg wurde dem Kapitän zum Verhängnis. Und weil er nach der Pensionierung noch immer warnt, möchte ihn ein Leichtmatrose kielholen lassen.

Social Media Kanäle von Politikern können unterhaltsam sein. Bei Sawsan Chebli oder Ralf Stegner zum Beispiel findet man oft Slapstick und Realsatire. Vergleichsweise unspektakulär ist dagegen die Facebook-Seite des Chemnitzer MdB Detleff Müller. Neben Selbstbeweihräucherung, Informationen wo sich Herr Müller vom anstrengenden Demokratiegeschäft erholt und meist substanzlosen Geschimpfe gegen „Rechts“ im Allgemeinen und die AFD im Besonderen findet sich nicht viel bemerkenswertes.

Hin und wieder erzeugt allerdings auch Leichtmatrose Müller rhetorische Perlen, die Beachtung verdienen. Hin und hergerissen zwischen Panik, Größenwahn und Selbstverzwergung sind die Rollen der Welt der Sozialdemokraten klar verteilt. Auf der einen Seite die „Guten“, die Lichtgestalten die Kämpfer gegen das Böse, was neben Kritikern der EU und der Klimahysterie vor allem Rechts von Merkel verortet wird.

Gefangene werden dabei nicht gemacht und in guter SED-Stasi Tradition wird jeder vermeintliche Fehltritt mit der Zersetzung von Karriere und gesellschaftlichem Leben geahndet.

So erwischte es auch den Präsidenten des Verfassungsschutz Maaßen, dem im September 2018 in einem Interview mit der Bild Zeitung geäußerte Zweifel an der Echtheit der Beweise für postulierte „Hetzjagen“ in Chemnitz zum Verhängnis wurden. Eine Relativierung seiner Äußerungen nutzte ihm nichts, und so wurde er, nachdem zwischenzeitlich sogar die GroKo auf der Kippe stand, in den Ruhestand versetzt.

Trotz Pensionierung warnt Ex Kapitän Maaßen noch immer vor dem verhängnisvollen Kurs der Anstaltsleitung. Deshalb fordert nun Leichtmatrose Müller via Facebook zum Kielholen auf.

Für mich ist klar: Herr Maaßen ist ein Beobachtungsfall für den Verfassungsschutz geworden.

Facebook Detleff Müller MdB

Allmachtsphantasien in der Sozi – Selbsthilfegruppe?

Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen ist aktuell eine der interessantesten Persönlichkeiten in Deutschland. Seit 2012 amtierte er trotz Skandale und Kritik unangefochten bis zu seiner Absetzung als Chef des Verfassungsschutzes. Des Verfassungsschutzes dessen Aufgabe es ist Informationen auszuwerten und zu prüfen, ob sich daraus eine Gefahr für Deutschland ergibt. Man kann davon ausgehen, dass Maaßen zu den am besten informierten Menschen zu dem, was aktuell Deutschland passiert gehört. Mit diesem Hintergrund hatt er es gewagt, der von Regierung und Haltungsmedien verbreiteten“Chemnitz-Lüge“ zu widersprechen.

Das machte ihn zum Gegner manches Postdemokraten, dafür musste er gehen.

Seit seiner Kündigung spielt Maaßen aber weiterhin eine spannende Rolle in der öffentlichen Debatte. Er spricht Fakten zur politischen Lage an, die anzusprechen eigentlich tabu sind. Oft unspektakulär, aber als ehemaliger Verfassungsschutz-Chef haben seine Aussagen Gewicht.

Selbst lapidare Äußerungen Maaßens wie ein verlinkter Artikel der NZZ mit dem Kommentar „“Für mich ist die NZZ so etwas wie „Westfernsehen“, sorgen im politischen Berlin für aufgeregte Ventilationen, und die üblichen populistischen Hasstiraden von Grünen, Linken und der SPD. So beschied ihm Ralf Stegner, die Stimmungskanone aus dem SPD Haubitzenlager im Unterdeck via Twitter er sei eine „jämmerliche Figur“.

Screenshot Twitter

Und Volker Beck ( Der Grüne Maat mit der ausgeprägten Vorliebe für Drogen und junge Knaben) empörte sich

Wir haben also nach Ihrer Ansicht, geschätzter Herr @HGMaassen, in Deutschland Zensur & staatlich gelenkte Medien wie in der DDR? Habe ich Sie richtig verstanden, dass damit die FDGO, die Sie als Verfassungsschutzpräsident schützen sollten, Ihrer Meinung bereits außer Kraft ist?

httpss://twitter.com/Volker_Beck/status/1148657463807434752

Das muss Leichtmatrose Müller gelesen haben , der aufgeregt beim Bashing des alten erfahrnen Kapitäns nicht zurückstehen wollte und so legt er per Facebook nach.

Journalisten? Landesverräter. Die Medien in Deutschland? Einheitspresse wie in der DDR. Die Videos zu den rechten Ausschreitungen in Chemnitz 2018? Es liegen keine Beweise für deren Authentizität vor. Den Innenausschuss des Deutschen Bundestages zum Fall des Terroristen Anis Amri mehrfach täuschen? Warum nicht. Der Umgang mit der AfD? Eigeninitiativ hohe AfD-Funktionäre zu der Frage beraten, wie die Partei einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz entgehen kann. Das Handeln der Kapitänin Carola Rackete? Vom ARD-Team der Sendung Panorama inszeniert. Teilen von Leitmedien der Neuen Rechten? Kein Problem. Die Liste der „Fehltritte“ ließe sich noch fortsetzen. In Summe ergeben die Aufzählungen ein klares und unmissverständliches Bild.

Facebook Detleff Müller MdB

Ob diese „Fehltritte“ wirklich Fehltritte sind, bzw. so wie dargestellt stattgefunden haben liegt sicher im Blickwinkel des Betrachters. Interessant ist das Fazit des Leichtmatrosen, der sich vermutlich aufgrund der „Richtigen“ Haltung befähigt sieht, den erfahrenen Kapitän zu beurteilen.

Maaßen ist ein politisch denkender und handelnder Mensch, mit einer irrationalen und diffusen Vorstellung davon, wer oder was dieses Land bedroht. Mit seinem Verhalten hat er einen massiven Vertrauensverlust in den Verfassungsschutz und in die sicherheitspolitischen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland zu verantworten. Für mich ist klar: Herr Maaßen ist ein Beobachtungsfall für den Verfassungsschutz geworden.

Facebook Detleff Müller MdB

Für den neuen Untertan, den Bürger mit Haltung und Moral ist das plausibel.

Für den noch eigenständig denkenden Teil der Bevölkerung erscheint es seltsam, wenn ein gelernter Lokführer, Parteisoldat und Bundestagshinterbänkler sich anmaßt in dieser Form über die Urteilskraft eines promovierten Rechtswissenschaftlers, erfahrenen Beamten im Staatsdienst und langjährigen Chef des Verfassungsschutzes zu urteilen.

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