Bücherstürmer 2017 – Das ist keine Literatur

Keine Literatur Schild auf der Frankfurter Buchmesse

„Linke“ Demonstranten bezeichnen Bücher von „rechten“ Verlagen 2017 auf der Frankfurter Buchmesse mittels Plakat als „Das ist keine Literatur.“

Das ist bemerkenswert weil damit Bücher die als als schändlich und schädlich für die Volksseele klassifiziert werden wieder  pauschal abgewertet und verunglimpft werden.

Das hatten wir schon mehrfach. 1933 in Nazideutschland und 1955 in der DDR mittels Scheiterhaufen, ab den 1960ér  Jahren als „kalte“ Bücherverbrennung in der DDR und 2015 als „Bereinigung“ in Bad Dürrheim und anderen Bibliotheken um Kinder vor falscher Rechtschreibung und vor allem falschen Wording „zu schützen“.

Zurück in die Zukunft?

1933 machte sich die bei der Bücherverbrennung federführende Studentenschaft noch Mühe mit zwölf Thesen „Wider den undeutschen Geist“ Kriterien zu definieren nach denen Bücher zur Entsorgung per Scheiterhaufen ausgewählt wurden.

In Zeiten der schnelllebigen Generation Twitter ist solche Differenzierung nicht mehr nötig. Heute wird einfach alles was als rechts des eigenen Meinungsspektrums verortet wird als „rechts“ oder „Nazi“ bezeichnet. Mit dem Fazit „Das ist keine Literatur“. Muss also weg.

Ok, Bücherverbrennungen fordert heute keiner. Das wäre auch klimapolitisch schlecht durchzusetzen. Deshalb wird ohne zusätzliche Feinstaub und CO2 Belastung die kalte Bücherverbrennung die in der früheren DDR gut funktionierte praktiziert. Mit tätiger Hilfe der von Stasispitzel Anetta Kahane gegründeten Amadeu Antonio Stiftung als Kompetenzzentrum für Zensur und Meinungsmanipulation werden heute unangenehme politisch nicht korrekte Bücher, Autoren und Verlage attackiert. Der Geschäftsführer der Stiftung geht noch weiter und fordert Zensur und Ausschluss „rechts“ verorteter Verlage von künftigen Messen und Präsentationen um das Ärgernis unangenehmer Druckwerke aus der Welt zu schaffen.

So wie früher in der DDR „Die Verhinderung schändlicher Literatur als ein Teil der Ausübung der Machtfunktion der Arbeiter und Bauernstaates gegenüber Kräften die diese Entwicklung hemmen“ (1)gesehen wurde, agieren heute Amadeu Antonio Stiftung und Teile des poitischen und gesellschaftlichen Spektums wenn es um Literatur geht die sie als „rechts“ oder schädlich verorten.

Leider sind die aktuellen Vorfälle auf der Frankfurter Buchmesse kein Einzelfall sondern Teil einer besorgniserregenden Entwicklung. Denn nicht nur „rechte“ Bücher werden von den neuen Tugendwächtern aus der Öffentlichkeit entfernt, sondern auch Bücher deren sogenanntes Wording, also die Formulierung aus Sicht der linken Tugenwächter nicht mehr zeitgemäß ist.

So erwischte es unter anderem Bücher von Erich Kästner, dessen Werke bereits 1933 auf den Scheiterhaufen der Nazis landeten 2015 wieder. Als ein Stoßtrupp der Schwarz/Grünen Baden Würtembergischen Landesregierung die Bad Dürrheimer Bibliothek von schändlichen Büchern bereinigte.

Das sagt die Büchereileiterin: Regina Hofmann leitet seit 36 Jahren die Bad Dürrheimer Bücherei. Sie sagt, sie habe bislang immer nach Quotenvorgabe Bücher aussortiert und sei dazu auch weiterhin bereit gewesen. „Im vergangenen Jahr habe ich 500 Bücher aussortiert.“ Und je nach Etat aus dem städtischen Haushalt hat sie neue gekauft. Überrascht und entsetzt ist sie noch immer über das Vorgehen. Denn die Aktion wurde gerade an ihrem ersten Urlaubstag, dem 27. Juli, gestartet und ließ sich von Seiten des Regierungspräsidiums (RP) nicht verschieben. Regina Hofmann schloss den Mitarbeitern die Bücherei auf, bot Hilfe an, diese wurde jedoch abgelehnt, sie weggeschickt. Während ihres Urlaubs wurde sie von Bücherei-Nutzern angerufen und sie erschrak, als sie das Ausmaß sah. Noch immer ist ihr der Schock anzumerken.

Geradezu abenteuerlich ist die Begründung für das entfernen der unerwünschten Literatur.

Das sagt das Regierungspräsidium: Die Behörde hat nach Angaben von Bibliothekarin Christina Kälberer nicht ohne Grund und nicht „nach gut Dünken“ die Bücher aussortiert. „Wir gehen bei diesen Aktionen nach drei Kriterien vor“, erläutert sie. Diese sind: Aktualität, Häufigkeit des Ausleihens, Zustand. Sind diese Anforderungen nicht erfüllt, wird das Buch ausgemustert. Kälberer hat einerseits Verständnis für die Bestürzung, die in Bad Dürrheim herrscht. „Jeden Bücherfreund kostet es emotional Überwindung, ein Buch wegzuwerfen.“ Andererseits wirbt sie um Verständnis, an die Aktion „sachlich heranzugehen“, wie sie dem SÜDKURIER sagte. Einige Bücher seien jahrelang nicht ausgeliehen worden und nur verstaubt. „Da verstehe ich den Hype einfach nicht.“ Die Fachstelle für öffentliches Bibliothekswesen beim RP berät Bibliotheken bezüglich des Bestands, der Weiterentwicklung und des Konzepts. Nur Sachbücher mit Aktualitätswert – Recht, Reiseführer – wurden aus dem Bestand genommen. Bei Kinder- und Jugendliteratur weist die Bibliothekarin darauf hin, dass einige Bücher in alter Rechtschreibung verfasst seien, „wobei die richtige Schreibweise gerade für Kinder wichtig ist.“ Außerdem sei das so genannte Wording, also die Formulierung, in einigen Büchern nicht zeitgemäß. Christina Kälberer nennt etwa das Wort „Neger“, das noch in Klassikern vorkomme.

Seit 2015  ist einige Zeit vergangen. Mit Stoßtrupps wie in Bad Dürrheim oder leise und diskret werden Altbestände gesäubert um das subversive, verwirrende zum zum eigenständigen Denken veranlassende gedruckte Wort das bereits die SED Führung als Gefahr betrachtete dem Zugriff der Bevölkerung zu entziehen.  Das bereinigen von Kinderbüchern wie Otfried Preußlers Klassiker „Die Kleine Hexe“, „Räuber Hotzenplotz“ oder „Krabat“ um Begriffe wie „Neger“ oder „Negerlein“ zu entfernen dürfte abgeschlossen sein. Auch die Biene Maja wird in der Neufassung gegendert.  Ob die Tugendwächter vor Büchern von Immanuel Kant zurückgeschreckten ist bisher nicht überliefert. Schauen Sie doch einmal in ihrer örtlichen Bibliothek nach.

Verständlich das die unermüdlichen Kämpfer für den reinen Geist angemessen frustiert das „rechte“ Verlage mit zunehmenden Erfolg Nachschub an aus linker Sicht subversiven Gesellschafts zersetzenden Druckwerk unter das Volk bringen. Provokation und Verstoß gegen den staatlich verordneten Zeitgeist der Umerziehung zum politisch korrekten Menschen.

Dagegen scheint mittlerweile jedes Mittel recht. Statt Dialog und Diskussion, Pöbleien, Übergriffe, kriminelle Aktionen. Es werden Messestände mit Zahnpasta und Kaffee besudelt oder gleich leergeräumt.

Das Nazis die keine sein wollen und den nationalsozialistischen Ungeist permanent beim verhassten Gegenüber verorten mittels Plakat Bücher abgewerten ist ein weiterer Schritt in eine dunkle Zeit von der wir bisher glaubten das sie hinter uns liegt.

(1)“Es geht um Erwin Strittmatter oder Vom Streit um die Erinnerung“ Seite 179

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